Zahlreiche Menschen machen die Erfahrung ganz unvermittelt: Ein Vertrag scheitert oder die Zahlung auf Rechnung wird verweigert. Vielfach geschieht das ohne erkennbare Begründung. In vielen Fällen verbirgt sich dahinter keine persönliche Prüfung, sondern eine automatische Einschätzung der Kreditwürdigkeit.
Solche Bewertungen sind ein fester Teil des wirtschaftlichen Alltags. Trotzdem ist nur wenigen klar, wie sie im Detail ablaufen. Welche Daten zusammengetragen werden und welche Schranken dabei gelten, bleibt für viele im Dunkeln.
Wie Bonitätsprüfungen ablaufen und warum der Score zählt
Eine Bonitätsprüfung soll das finanzielle Risiko einer Person abschätzen. Zu diesem Zweck ermitteln Auskunfteien einen sogenannten Score-Wert, der auf statistischen Modellen beruht.
Was ein Score aussagt
Der Score ist ein Wahrscheinlichkeitswert. Er gibt an, wie groß die Chance ist, dass Zahlungsverpflichtungen erfüllt werden. Je höher der Wert ausfällt, desto niedriger das angenommene Risiko.
Dieser Wert ist unter anderem von Bedeutung bei:
- Kreditentscheidungen
- Vertragsabschlüssen
- Zahlungsarten im Onlinehandel
- Mobilfunk- oder Leasingverträgen
Ist der Score niedrig, kann das dazu führen, dass Angebote begrenzt oder vollständig abgelehnt werden.
Welche Daten einfließen
In die Berechnung gehen unterschiedliche Informationen ein. Dazu gehören sogenannte Positivdaten wie vorhandene Konten oder laufende Verträge. Hinzu treten Negativdaten, etwa gemeldete Zahlungsrückstände.
Auf Basis dieser Angaben teilt das System Personen Vergleichsgruppen zu und leitet daraus den Score ab.
Weshalb Scores verschieden ausfallen können
Weil jede Auskunftei eigene Rechenmodelle einsetzt, kann der Score je nach Anbieter schwanken. Einen einheitlichen Wert gibt es nicht.
Rechtliche Schranken, typische Fehler und Verbraucherrechte
Bonitätsprüfungen sind an klare rechtliche Vorgaben gebunden. Zugleich sind sie nicht fehlerfrei, weshalb Verbraucher ihre Rechte kennen sollten.
Verbotene Daten im Scoring
Nicht sämtliche persönlichen Informationen dürfen herangezogen werden. Ausgenommen sind unter anderem:
- Beruf und Einkommen
- familiäre Situation
- Arbeitgeber
- religiöse Überzeugungen
Derartige Angaben dürfen die Bewertung nicht beeinflussen.
Häufige Probleme bei der Bonitätsbewertung
Im Alltag tauchen immer wieder Schwierigkeiten auf:
- veraltete Einträge bleiben gespeichert
- falsche Angaben werden nicht automatisch korrigiert
- Betrugsfälle führen zu negativen Merkmalen
- unvollständige Profile verschlechtern den Score
Es empfiehlt sich daher, die gespeicherten Daten regelmäßig zu kontrollieren.
Wann Unternehmen Daten melden dürfen
Informationen an Auskunfteien weiterzugeben, ist nur unter bestimmten Bedingungen gestattet. Zahlungsrückstände dürfen ausschließlich dann gemeldet werden, wenn die formalen Voraussetzungen vorliegen.
Dazu zählen unter anderem vorausgegangene Mahnungen, eine angemessene Frist und die Benachrichtigung der betroffenen Person. Fehlen diese Schritte, ist eine Meldung unzulässig.
Gestärkte Rechte durch neue Urteile
Jüngste Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs haben die Rechte der Verbraucher spürbar ausgeweitet. Wird ein Score wesentlich für Vertragsentscheidungen herangezogen, gilt dies als relevante automatisierte Entscheidung.
Betroffene haben das Recht darauf:
- zu erfahren, welche Daten verwendet wurden
- eine verständliche Erklärung der Bewertung zu erhalten
- fehlerhafte oder unzulässige Daten löschen zu lassen
Auskunfteien sind gehalten, ihre Verfahren transparenter zu gestalten, und können sich nicht länger pauschal auf Geschäftsgeheimnisse berufen.