Volatilität bei Krypto-Anlagen: Warum Kursschwankungen so stark ausfallen

Kursbewegungen von zweistelligen Prozentsätzen an einem Tag sind bei Kryptowerten keine Ausnahme. Die Gründe für diese Schwankungsbreite liegen in der Struktur des Marktes und lassen sich benennen.

Ein detailliertes Finanzhandelsdiagramm, das ein Candlestick-Muster mit Markttrends zeigt.

Wer die Kursverläufe von Kryptowerten mit denen etablierter Aktienindizes vergleicht, bemerkt sofort einen Unterschied im Ausschlag. Bewegungen, die an Aktienmärkten als außergewöhnlich gelten, sind hier gewöhnlicher Alltag.

Diese Schwankungsbreite wird als Volatilität bezeichnet. Sie ist keine Nebenwirkung, sondern eine Eigenschaft des Marktes, und sie folgt aus mehreren Gegebenheiten, die sich unabhängig voneinander beschreiben lassen.

Warum die Ausschläge so groß ausfallen

Kein Anker für die Bewertung

Bei einer Aktie lässt sich der Kurs zu Gewinnen, Umsätzen und Dividenden ins Verhältnis setzen. Diese Größen liefern eine Orientierung, an der sich die Einschätzung ausrichten kann, auch wenn sie strittig bleibt.

Bei einem Kryptowert fehlt eine solche Bezugsgröße. Der Preis ergibt sich allein aus dem, was andere Marktteilnehmer zu zahlen bereit sind. Ohne Anker kann die Erwartung weiter wandern, und der Kurs folgt.

Marktbreite und Handelsvolumen

Der Markt ist im Vergleich zu Aktien- und Anleihemärkten klein. Größere Orders bewegen den Kurs deshalb stärker, weil auf der Gegenseite weniger Volumen bereitsteht, um sie aufzunehmen.

Verstärkt wird das durch die Konzentration der Bestände. Ein erheblicher Anteil vieler Kryptowerte liegt bei wenigen Adressen, deren Bewegungen unmittelbar auf den Preis wirken.

Durchgehender Handel

Anders als Börsen mit festen Handelszeiten laufen Kryptomärkte ohne Unterbrechung. Es gibt keine Nacht, kein Wochenende und keine Handelsunterbrechung, die eine überhitzte Bewegung abkühlen ließe.

Nachrichten wirken dadurch sofort und ohne Pause. An klassischen Börsen verteilt sich eine Reaktion über die Eröffnung des nächsten Handelstages, hier geschieht sie in Minuten.

Der Einsatz von Fremdkapital

Ein großer Teil des Handels findet mit gehebelten Positionen statt. Erreicht der Kurs eine bestimmte Schwelle, werden diese Positionen automatisch geschlossen, was zusätzliche Verkäufe auslöst.

Daraus entstehen Kettenreaktionen. Eine Bewegung löst Zwangsschließungen aus, diese verstärken die Bewegung, und weitere Schwellen werden erreicht. Ein erheblicher Teil der größten Tagesverluste geht auf diesen Mechanismus zurück.

Wie sich die Schwankung äußert

Der Verlauf in Zyklen

Historisch zeigt der Markt ausgeprägte Phasen starker Anstiege, gefolgt von langen Abwärtsbewegungen mit Rückgängen von siebzig Prozent und mehr vom vorherigen Höchststand.

Wer während einer Anstiegsphase einsteigt, erlebt die anschließende Korrektur in voller Höhe. Die Erholung kann Jahre in Anspruch nehmen, und dass sie eintritt, ist keine Gewissheit.

Die Rolle der Stimmung

Ohne fundamentale Bezugsgröße gewinnt die Stimmung überproportional an Gewicht. Beiträge in sozialen Netzwerken, Äußerungen bekannter Personen und Medienberichte lösen unmittelbare Bewegungen aus.

Diese Empfindlichkeit macht den Markt anfällig für gezielte Beeinflussung. Absprachen zur künstlichen Kurssteigerung mit anschließendem Verkauf sind bei kleineren Kryptowerten wiederholt dokumentiert worden.

Der Zusammenhang mit dem Zinsniveau

In den vergangenen Jahren zeigte sich eine Verbindung zwischen der Geldpolitik und den Kursen. Steigende Leitzinsen belasteten Anlagen ohne laufende Erträge, während Phasen niedriger Zinsen sie begünstigten.

Der oft bemühte Vergleich mit einer krisenfesten Wertaufbewahrung ließ sich in diesen Phasen nicht bestätigen. In Zeiten allgemeiner Unsicherheit fielen die Kurse häufig gemeinsam mit den Aktienmärkten.

  • kein Bewertungsanker aus Erträgen
  • kleines Volumen, konzentrierte Bestände
  • durchgehender Handel ohne Pausen
  • gehebelte Positionen verstärken Bewegungen

Was Anlegerinnen und Anleger daraus ableiten

Positionsgröße als einzige Stellschraube

Die Schwankung selbst lässt sich nicht beeinflussen. Steuerbar ist allein, welcher Anteil des Gesamtvermögens betroffen ist. Verbraucherzentralen empfehlen, allenfalls einen Betrag einzusetzen, dessen Totalverlust verkraftbar wäre.

Diese Empfehlung ist nicht als Warnung vor der Technik zu verstehen, sondern als Konsequenz aus der beobachteten Schwankungsbreite und dem Fehlen einer Ertragsgrundlage.

Der Zeitpunkt des Einstiegs

Bei stark schwankenden Anlagen wirkt der Einstiegszeitpunkt besonders stark auf das Ergebnis. Eine Verteilung über mehrere Zeitpunkte verringert die Abhängigkeit von einem einzelnen Tag.

Ein rechnerischer Vorteil entsteht daraus nicht zwangsläufig. Der Nutzen liegt darin, dass die Entscheidung weniger von der Stimmungslage des Moments abhängt.

Kredit hat hier nichts zu suchen

Der Einsatz geliehenen Geldes verbindet zwei Risiken, die einzeln bereits erheblich sind. Fällt der Kurs, bleibt die Rückzahlungspflicht unverändert bestehen.

Dasselbe gilt für gehebelte Produkte. Sie sind für kurzfristige Absicherung konzipiert und nicht für den langfristigen Vermögensaufbau geeignet.

Umgang mit dem Bestand

Regeln vor dem Kauf festlegen

Wer vorab festlegt, unter welchen Bedingungen verkauft wird, entscheidet in ruhiger Lage. Wird die Entscheidung erst während einer starken Bewegung getroffen, überwiegt die Reaktion auf den Moment.

Ebenso sinnvoll ist eine feste Obergrenze für den Anteil am Gesamtvermögen, die bei starkem Anstieg durch Teilverkäufe wiederhergestellt wird.

Aufzeichnungen führen

Wegen der einjährigen Haltefrist ist die Dokumentation von Kaufdatum, Menge und Preis erforderlich. Ohne diese Angaben lässt sich die steuerliche Behandlung im Nachhinein kaum belegen.

Handelsplattformen stellen Auswertungen bereit, deren Umfang sich unterscheidet. Eine eigene Aufstellung ist die verlässlichere Grundlage, insbesondere bei einem Wechsel des Anbieters.

Nüchtern bleiben

Die öffentliche Aufmerksamkeit für dieses Thema ist in Anstiegsphasen am größten und in Abwärtsphasen am geringsten. Genau umgekehrt verläuft die Verteilung günstiger Einstiegszeitpunkte.

Diese Beobachtung ersetzt keine Prognose. Sie erklärt aber, warum ein erheblicher Teil der Privatanleger in diesem Markt am Ende schlechter abschneidet als der Kursverlauf allein vermuten ließe.

Der Vergleich mit anderen Anlageklassen

Zur Einordnung hilft ein Blick auf übliche Schwankungsmaße. Breit gestreute Aktienindizes weisen über lange Zeiträume eine deutlich geringere jährliche Schwankung auf, Anleihen guter Bonität nochmals eine erheblich niedrigere.

Ein höheres Schwankungsmaß bedeutet nicht automatisch eine höhere erwartete Rendite. Der Zusammenhang zwischen Risiko und Ertrag gilt für breit gestreute Märkte, nicht für jede einzelne Anlage.

Was gegen den Vergleich mit Gold spricht

Häufig wird ein Vergleich mit Edelmetallen gezogen, weil beide keine laufenden Erträge abwerfen. Der Unterschied liegt in der Historie: Gold wird seit Jahrhunderten als Wertaufbewahrung genutzt, Kryptowerte seit gut anderthalb Jahrzehnten.

Eine Beurteilung über verschiedene Wirtschaftszyklen hinweg ist damit noch nicht möglich. Die verfügbare Datenreihe umfasst nur wenige vollständige Phasen, was jede statistische Aussage einschränkt.

Über den Autor

Mark