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Mehrere Kredite gleichzeitig bedienen: Ab wann wird es kritisch?

Viele Haushalte haben mehrere laufende Kredite. Entscheidend ist zu erkennen, wann daraus ein finanzielles Risiko entsteht.

Kredite

Für viele Menschen sind Kredite ein selbstverständlicher Teil des Lebens. Häufig laufen ein Autokredit, Ratenkäufe für Möbel oder Elektronik, ein Konsumentenkredit und eine Immobilienfinanzierung zur gleichen Zeit. Solange jede einzelne Rate bezahlbar wirkt, erscheinen diese Verpflichtungen zunächst durchaus überschaubar.

Schwierig wird die Sache allerdings dann, wenn sich die verschiedenen Kredite aufsummieren. Häufig bemerken die Betroffenen erst spät, dass die monatliche Belastung mittlerweile zu groß geworden ist. Spätestens hier drängt sich die Frage auf, ab welchem Punkt mehrere Kredite ihren harmlosen Charakter verlieren und zum finanziellen Risiko werden.

Wann mehrere Kredite noch beherrschbar sind

Wer gleichzeitig mehrere Kredite bedient, hat damit nicht zwangsläufig finanzielle Schwierigkeiten. Oft funktioniert das über viele Jahre hinweg ganz ohne Probleme. Worauf es ankommt, ist die Frage, wie gut die Kreditverpflichtungen zur persönlichen finanziellen Lage passen.

Das Verhältnis von Einkommen und Kreditraten

Einen wichtigen Maßstab liefert die sogenannte Kreditbelastungsquote. Sie gibt an, welcher Anteil des monatlichen Nettoeinkommens in Kredite fließt. Zur ungefähren Einordnung dienen die folgenden Werte:

  • bis zu 30 Prozent der Nettoeinnahmen gelten als gut tragbar
  • zwischen 30 und 40 Prozent erfordern genaue Kontrolle
  • über 40 Prozent gelten als kritisch

Gesetzlich vorgeschrieben sind diese Werte nicht, dennoch greifen Banken und Schuldnerberatungen häufig als Orientierung darauf zurück.

Mit steigendem Anteil schrumpft der finanzielle Spielraum für unvorhergesehene Ausgaben. Bereits geringe Veränderungen wie höhere Lebenshaltungskosten oder ein gesunkenes Einkommen können dann zu Schwierigkeiten führen.

Die Art der Kredite spielt eine große Rolle

Den Haushalt belastet nicht jeder Kredit im gleichen Maße. Eine besonders große Bedeutung hat der Unterschied zwischen planbaren und unflexiblen Krediten.

Gut planbar sind beispielsweise:

  • Immobilienkredite mit festem Zinssatz
  • Ratenkredite mit gleichbleibenden Monatsbeträgen
  • langfristige Darlehen mit klaren Vertragsbedingungen

Schlechter kalkulierbar und meist teurer sind hingegen:

  • Dispokredite auf dem Girokonto
  • Kreditkartenschulden
  • kurzfristige Konsumentenkredite mit hohen Zinsen

Wer mehrere dieser kostspieligen Kreditformen in Anspruch nimmt, gelangt rascher an einen kritischen Punkt, auch wenn die monatlichen Raten anfangs niedrig wirken.

Finanzielle Rücklagen als Sicherheitsfaktor

Häufig unterschätzt wird die Bedeutung finanzieller Reserven. Haushalte, die über Ersparnisse verfügen, können unerwartete Ausgaben abfedern, ohne dafür gleich neue Kredite aufnehmen zu müssen.

Ohne eine solche Reserve genügt schon eine Autoreparatur, eine Nachzahlung oder eine Krankheitsphase, um rasch zusätzliche Schulden entstehen zu lassen. Mehrere Kredite werden dann weniger wegen der Höhe der Raten zum Problem, sondern vielmehr wegen der fehlenden Ausweichmöglichkeiten.

Stabilität der Einnahmen

Eine wichtige Rolle spielt zudem die Sicherheit des Einkommens. Wer einen festen Arbeitsvertrag und ein stabiles Gehalt hat, ist besser aufgestellt als Selbstständige oder Beschäftigte mit schwankenden Einnahmen.

Bei unsicheren oder variablen Einkünften ist besondere Vorsicht geboten, sobald mehrere Kredite gleichzeitig laufen.

Ab wann mehrere Kredite kritisch werden

Der Wechsel von einer beherrschbaren zu einer kritischen Lage vollzieht sich in der Regel schleichend. Dennoch gibt es eindeutige Anzeichen dafür, dass die Belastung ein zu hohes Maß erreicht hat.

Typische Warnsignale im Alltag

Die folgenden Hinweise sprechen dafür, dass mehrere Kredite zum Problem werden:

  • monatliche Raten können nur noch knapp bezahlt werden
  • ein Kredit wird genutzt, um einen anderen zu bedienen
  • der Dispokredit wird dauerhaft ausgeschöpft
  • Rechnungen oder Mieten werden verspätet bezahlt
  • am Monatsende bleibt kein Geld mehr übrig

Solche Signale sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sie machen deutlich, dass das finanzielle Gleichgewicht bereits ins Wanken geraten ist.

Die unterschätzte Wirkung von Zinsen

Ein erhebliches Risiko bei mehreren Krediten geht von den Zinsen aus. Selbst wenn einzelne Raten gering wirken, addieren sich die Zinskosten im Laufe der Zeit deutlich.

Besonders heikel wird es, sobald:

  • mehrere Kredite hohe Zinssätze haben
  • Laufzeiten verlängert werden, um Raten zu senken
  • Kreditkarten oder Dispokredite dauerhaft genutzt werden

In derartigen Situationen wächst die Schuldenlast vielfach schneller an, als sie sich wieder abtragen lässt.

Psychische Belastung als zusätzlicher Faktor

Eine finanzielle Überlastung schlägt sich nicht allein auf dem Konto nieder, sondern auch auf das Wohlbefinden. Anhaltende Geldsorgen rufen Stress, Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme hervor.

Unter solchem Druck treffen viele Menschen ungünstige Entscheidungen, zum Beispiel:

  • neue Kredite ohne Vergleich abzuschließen
  • wichtige Ausgaben aufzuschieben
  • Warnbriefe von Banken zu ignorieren

Solche Reaktionen verschlimmern die Lage in vielen Fällen noch zusätzlich.

Wann von Überschuldung gesprochen wird

Von Überschuldung ist die Rede, wenn die laufenden Einnahmen auf Dauer nicht mehr genügen, um sämtliche Verpflichtungen zu decken. Mehrere Kredite sind dann nicht mehr bloß belastend, sondern bedrohen die Existenz.

Auf eine drohende Überschuldung weisen folgende Anzeichen hin:

  • wiederholte Zahlungsrückstände
  • Mahnungen und Inkassoschreiben
  • Kündigung von Kreditverträgen
  • Pfändungsandrohungen

Spätestens in diesem Stadium sollte man professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Was Betroffene rechtzeitig tun können

Wer früher handelt, hat größere Handlungsspielräume. Zu den sinnvollen Schritten zählen unter anderem:

  • alle Kredite und Verpflichtungen vollständig auflisten
  • monatliche Einnahmen und Ausgaben ehrlich gegenüberstellen
  • Kredite mit hohen Zinsen priorisieren
  • keine neuen Kredite aufnehmen
  • Gespräche mit Banken suchen

Mitunter kann sich eine Umschuldung lohnen, sofern dadurch die Zinsen sinken und der Überblick besser wird. In anderen Fällen genügt schon eine Anpassung der Laufzeiten oder eine vorübergehende Ratenpause.

Warum Ignorieren die Lage verschärft

Viele hoffen darauf, dass sich finanzielle Probleme von allein erledigen. Tatsächlich tritt in der Praxis aber meist das Gegenteil ein. Mit jeder Verzögerung steigen Zinsen, Gebühren und Folgekosten weiter an.

Wer rechtzeitig reagiert, kann oftmals noch gegensteuern. Wer zu lange abwartet, büßt Handlungsmöglichkeiten ein.

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Mark